Informationen zum Gebiet

Die Schorfheide liegt (im Gegensatz zum Hainich und der Schwäbischen Alb) im eiszeitlich überformten Teil Deutschlands. Sanderflächen, Grund- und Endmoränen prägen das Landschaftsbild und bilden mit ihren unterschiedlichen Böden (podsolierte) Braunerden, Parabraunerden, Pararendzinen, Podsole; in den Talniederungen und zahlreichen Senken Moorböden) die Grundlage für eine abwechslungsreiche Vegetation. Mit rund 520-580 mm Jahresniederschlag zählt das Gebiet zu den trockensten Teilen Deutschlands. Zur potentiellen natürlichen Vegetation gehören zonale Kiefern-Traubeneichen-, Buchen- und Buchenmischwälder sowie azonale Erlen- und Moorbirkenwälder. Auf trockenen sandigen Kuppen sind subkontinentale Trockenrasen zu finden. Typisch für die Region ist das reiche Vorkommen von Seen, Mooren und Feuchtgebieten.

 

Quelle: Henryk Baumbach

Das Exploratorium liegt innerhalb der Grenzen des Biosphärenreservates „Schorfheide-Chorin“, das 1990 auf einer Fläche von 1300 km² eingerichtet wurde. Bei einem Geländeniveau von 2 – 139m ü. NN umfasst es im Westen großflächige trockene Blaubeer-Kiefernforsten (Dicrano polyseti-Pinion sylvestris-Gesellschaften) und auf den Endmoränen im südöstlichen Teil eines der größten Buchenwaldgebiete (überwiegend Asperulo odoratae-Fagetum sylvaticae) Norddeutschlands. Große ausgeräumte Agrarflächen prägen die waldfreien Bereiche; im Gegensatz dazu sind gemähte und beweidete Grünländer (überwiegend Arrhenatherion elatoris, seltener Calthion palustris-Gesellschaften auf Niedermoorstandorten) nur wenig vertreten. Die unterschiedlichen Landnutzungstypen sind wie folgt verteilt: 48% Wald, 32% Ackerland, 7% Gewässer, 6% Grünland, 4% Siedlungen und 4% Sonstiges (Brachen). Die Wälder reichen von natürlichen, alten Buchenwäldern mit über 100 Jahre alten Bäumen über Mischwälder bis hin zu intensiv bewirtschafteten Kiefern-Monokulturen. Die Wälder der Schorfheide waren seit der Zeit der Kurfürsten bis in die jüngste Vergangenheit ein bedeutendes Staatsjagdrevier. Ca. ¼ der Wälder des Exploratoriums befinden sich heute in privater Hand. Kleinbäuerliche Landwirtschaft ist im Gebiet kaum vorhanden, viele Betriebe bewirtschaften mehr als 500 ha überwiegend gepachtetes Land.

Kraniche, Seeadler und Schwarzstörche zählen zu den eindrucksvollsten tierischen Bewohnern der Schorfheide. Das Totalreservat Grumsiner Forst ist zur Ausweisung als Weltnaturerbe der UNESCO vorgeschlagen.

Die heutigen Landkreise Barnim und Uckermark, zu denen die Schorfheide gehört, sind schon seit der Steinzeit besiedelt. Germanische und slawische Völkerschaften hinterließen ihre Spuren in der Landschaft. Seit dem 12. Jahrhundert prägte die deutsche Ostkolonisation den städtebaulichen Charakter der Schorfheide mit ihrer Backsteingotik. An der östlichen Grenze des Biosphärenreservates liegt das kleine Städtchen Angermünde, gegründet Anfang des 13. Jahrhunderts durch die Askanier. Hier befindet sich die Verwaltung des Biosphärenreservates sowie Büro und Arbeitsräume des Exploratoriums. Heute leben ca. 35.000 Einwohner im Biosphärenreservat, die Bevölkerungsdichte mit nur 28 Einwohnern/km² gehört zu den geringsten in Deutschland.

Karte des Biosphärenreservats Schorfheide-Chorin (grün umrandet), Die schattierte Fläche enthält die Untersuchungsflächen des Exploratoriums.

Informationen zu Arten


Waldvegetation im Gebiet

Die größten Flächen im Exploratorium bedecken Kiefern-Buchen-Halbforsten sowie, besonders im Bereich der Endmoränen, Buchenwälder (Asperulo odoratae - Fagetum sylvaticae, kleinflächig auf ärmeren Standorten auch Luzulo luzuloidis - Fagion sylvaticae). In den Kiefern-Buchen-Mischbeständen bildet die Kiefer in der Regel eine lockere obere Baumschicht, während die Buche eine dicht geschlossene untere Baumschicht aufbaut. In den Buchenwäldern sind neben der Rotbuche als Hauptbaumart Hainbuche und Traubeneiche, seltener die Winterlinde sowie die Kiefer in der Baumschicht beigemischt. In der Krautschicht kommen Buschwindröschen (Anemone nemorosa), Waldmeister (Galium odoratum), Goldtaubnessel (Lamium galeobdolon), Wald- und Hainveilchen (Viola reichenbachiana und V. riviniana) sowie Perlgras (Melica uniflora) , auf ärmeren Standorten Drahtschmiele (Deschampsia flexuosa), Pillensegge (Carex pilulifera) und Schattenblümchen (Maianthemum bifolium) vor. Ausgedehntere Kiefernforsten überwiegen im Süden des Exploratoriums. Der Unterwuchs wird bestimmt durch Himbeeren, Brombeeren und Reitgräser. Derartige Bestände werden zunehmend mit Buchen unterpflanzt.

Als gebietstypische Besonderheit reihen sich, in die zonale Waldvegetation eingestreut, neben zahlreichen Seen und Mooren ungezählte Erlen- bzw. Moorbirkenbruchwälder (Carici elongatae-Alnetum glutinosae, Salici pentandro-Betuletum pubescentis) aneinander.

Von geringerer Bedeutung sind Waldstandorte mit Birke (Betula pendula), Esche (Fraxinus excelsior) oder allochthonen Arten wie Fichte (Picea abies), Roteiche (Quercus rubra), Weymouthskiefer (Pinus strobus), Lärche (Larix decidua), Douglasie (Pseudotsuga menziesii).

Der überwiegende Teil der Wälder wird als Altersklassenwald bewirtschaftet, die unbewirtschafteten Waldbereiche in den Kernzonen („Naturwälder“), werden seit 1990 nicht mehr forstwirtschaftlich genutzt.

Vegetation im Offenland

Aus der Kombination verschiedener Landnutzungen, Bodentypen und Wasserverhältnisse auf den untersuchten Gridplots ergibt sich eine große Vielfalt an Vegetationstypen. Typische Grünlandarten des Exploratoriums (pflanzensoziologisch zur Ordnung Arrhenateratalia gehörend) sind Wiesenrispe und Gemeine Rispe (Poa pratensis, P. trivialis), Wolliges Honiggras (Holcus lanatus) und Weißklee (Trifolium repens). Auf gemähten Wiesen spielen  Glatthafer (Arrhenatherum elatius), Knaulgras (Dactylis glomerata) und Wiesenlabkraut (Galium mollugo) eine wichtige Rolle, auf Weiden vor allem Deutsches Weidelgras (Lolium perenne), Gänsefingerkraut (Potentilla anserina) und Breitwegerich (Plantago major). Trockene Wiesen auf Mineralboden beherbergen zum Teil eine artenreiche Flora mit Wiesensalbei (Salvia pratensis), Skabiosen-Flockenblume (Centaurea scabiosa), Hornklee (Lotus corniculatus) und Hopfenklee (Medicago lupulina). Auf  Feuchtwiesen  sind Seggen und Binsen (Carex disticha, Juncus effusus), Sumpfdotterblume (Caltha palustris) und Kuckucks-Lichtnelke (Lychnis flos-cuculi) von Bedeutung.

Weitere, neben dem Wirtschaftsgrünland in den Gridplots enthaltene, Lebensräume sind - auf Niedermoor - Großseggenrieder mit Sumpf-Segge (Carex acutiformis), Ufer-Segge (C. riparia), Schlank-Segge (C. acuta), Schilfrohr (Phragmites arundinacea), nitrophile Säume an Wegrändern und Grabenufern mit Pestwurz (Petasites hybridus), Großer Brennnessel (Urtica dioica) und Geflecktem Labkraut (Lamium maculatum) sowie Pflanzengesellschaften auf zeitweilig überschwemmten Wiesen mit Flutendem Schwaden (Glyceria fluitans), Knick-Fuchsschwanz (Alopecurus geniculatus) und Kriechendem Hahnenfuß (Ranunculus repens).

Auf Mineralboden sind xerotherme subkontinentale Trockenrasen und Hochstaudenfluren von besonderer Bedeutung für die Diversität des Exploratoriums, sie sind jedoch aufgrund ihrer relativ geringen Flächenausdehnung  nur in geringer Anzahl in den Gridplots vertreten. Hier finden wir Grasnelke (Armeria maritima), Sand-Strohblume (Helichrysum arenarium), Österreichischen Lein (Linum austriacum) und Karthäuser-Nelke (Dianthus carthusianorum). Im Gegensatz zu den regelmäßig genutzten, bewirtschafteten Grünländern werden diese Flächen nur sporadisch genutzt oder liegen brach.



Link zu weiteren Informationen (Arten, Besonderheiten)

http://www.schorfheide-chorin-biosphaerenreservat.de/

 

Informationen zum Boden

 

Das Exploratorium Schofheide ist eingebettet in eine glazial geprägte Landschaft. Daher sind vorwiegend Böden aus glazialen Sedimenten einschließlich ihrer periglazialen Überprägungen anzutreffen. Die Böden in der Schorfheide weisen im Gegensatz zu den anderen beiden Exploratorien oftmals sandige Bodenarten auf. Trotz der Lage im Grundmoränengebiet sind die Böden in der Regel nicht sehr skelettreich. Es ist allerdings zu berücksichtigen, dass Bodenart und Bodentyp kleinräumig stark variieren können. Es gibt also auch Standorte an denen steinhaltiges, lehmiges Grundmoränenmaterial oberflächlich ansteht. Während unter Wald podsolige Braunerden und Podsol-Braunerden als Bodentyp vorherrschen, sind für das Grünland Anmoorgleye typisch. Da die Grünlandstandorte oft in den Niederungsbereichen liegen, sind die Böden der Grünländer in der Regel grundwasserbeeinflusst.

 

Typische Böden  (Quelle: lokales Bodenteam)