Landnutzungsgradient

 
Wald

Die Nutzungsformen der Wälder in der Hainich-Dün Region unterscheiden sich im Wesentlichen nicht von typischen forstwirtschaftlichen Nutzungsformen europäischer Regionen. Hervorzuheben sind aber die Nutzungsformen „Buchen-Plenterwald“ der Waldgenossenschaften in Langula und Keula und der unbewirtschaftete Buchenwald im Nationalpark Hainich. Diese Formen können aufgrund ihrer Strukturen und Einzigartigkeit als Besonderheit der Hainich-Dün Region bezeichnet  werden.

Buchen-Altersklassenwald:
Die Altersklassenwälder befinden sich hauptsächlich im nördlichen Hainich (Stadtwald Mühlhausen) und der Dün-Region (Westerwald und Revier Geney). Die Bestände sind charakterisiert durch homogene gleichaltrige Strukturen und werden intensiv bewirtschaftet.

Buchen-Plenterwald:
Der Buchenplenterwald ist Privatwald und steht im Eigentum von forstlichen Waldgenossenschaften. Bei dieser Nutzungsform werden überwiegend einzeln über der Fläche verteilte starke und alte Bäume genutzt. Dies bewirkt eine mäßig intensive Waldbewirtschaftung, welche stark strukturierte ungleichaltrige Waldbestände schafft.

Unbewirtschaftete Buchenwälder - Baumholzstadium:
Die Bäume im unbewirtschafteten Buchenwald sind zwischen 1 bis 250 Jahren alt. Die Bestände sind dominiert von der Baumart Buche mit Beimischung von Edelhölzern wie u.a. Linde, Ahorn und Eiche (Tilia spec., Acer spec. und Qercus spec.). Zwischen 1945 und 1990 dienten diese Wälder als Schutz- bzw. Pufferzone eines Schiessübungsplatzes russischer Panzerdivisionen und wurden daher weder betreten noch bewirtschaftet. Heute bilden sie die Kernzone des Nationalparkes Hainich.

Fichtenforste Baumholzstadium:
Reine Fichtenbestände sind in der Hainich-Dün Region selten vorzufinden. Die vorherrschende Geologie der Region ist Muschelkalk. Auf diesen Standorten ist die Baumart Fichte sehr anfällig gegenüber Infektionen von Rotfäule (Heterobasidion annosum). Mit zunehmendem Baumalter werden infizierte Bestände instabil und als Folge tritt häufig Borkenkäferbefall auf, so dass vielerorts reine Fichtenbestände immer größere Lücken aufweisen oder gar als aufgelöst bezeichnet werden können. Im Allgemeinen sind die Fichtenbestände der Hainich-Dün Region sehr häufig aus Ackeraufforstungen hervorgegangen.

Weitere Nutzungstypen, welche bei der Gridplotauswahl als „Sonderstandorte“ bezeichnet werden:

Laubbaum-Mischbestände:
Mischbestände, in denen Arten wie Quercus, Acer, Tilia, etc. dominieren, sind auf kalkhaltigen, lößgeprägten Standorten der Hainich-Dün Region häufig vorzufinden.

Buchenbestände ungleichaltrig, mehrstufig:
Die thüringische Landesforstverwaltung verfolgt ein waldbauliches Programm, bei dem Altersklassenwälder in ungleichaltrige Bestände, in so genannte „dauerwaldartige“ Strukturen überführt werden sollen. In einem „Dauerwald“ sind Kahlschläge nicht erlaubt. Die Phase der Bestandesernte (Endnutzung) wird auf einen längeren Zeitraum hinausgezögert und der Einschlag der Bäume nur noch selektiv (nur einzelne, starke Bäume) durchgeführt, so dass letztendlich ungleichaltrige und strukturierte Bestände, ähnlich denen des Plenterwaldes, geschaffen werden. Einige der ungleichaltrigen mehrstufigen Bestände in der Hainich-Dün Region sind durchgewachsene Wälder der alten forstlichen Nutzungsform „Mittelwaldbewirtschaftung“.

Auf folgenden Wald-Landnutzungstypen wurden Experimentierflächen installiert:

Buchen-Altersklassenwald:
•    Buchen-Dickung ohne Schirm
•    Buchen-Dickung mit Schirm
•    Buchen-Jungbestand
•    Buche schwaches Baumholz
•    Buche starkes Baumholz

Buchen-Plenterwald

Unbewirtschaftetes Buchenwald Baumholz

Fichtenforste Baumholz

Altersklassenwald Buche (Quelle: Henryk Baumbach)
Altersklassenwald Buche (Quelle: Henryk Baumbach)
Naturwald Buche (Quelle: Henryk Baumbach)
Plenterwald Buche (Quelle: Henryk Baumbach)
Plenterwald Buche(Quelle: Henryk Baumbach)

 

Grünland

Im Vergleich zu den Waldgebieten sind die Flächen des Grünlandes im Exploratorium Hainich von geringerer Größe und zeichnen sich durch eine auffällige Streulage zwischen den ackerbaulich genutzten Flächen aus. Der überwiegende Teil der Grünländer wird durch Agrargenossenschaften bewirtschaftet, der Anteil an einzelnen privaten landwirtschaftlichen Betrieben ist gering.

Ungedüngte Weiden (Rinder-, Schaf- oder Pferdebeweidung):
Der größte Teil der ungedüngten Weiden befindet sich auf ehemaligen militärischen Übungsplätzen oder auf gering mächtigen Böden (z.B. Standorte der Trockenrasengesellschaften) und wird mit Schafen beweidet. Landwirtschaftliche Betriebe, die ohne oder mit geringen Düngungszugaben arbeiten, besitzen häufig ein ökologisches Zertifikat. Viele ungedüngte Weiden werden im Herbst oder im Frühjahr beim Abschleppen und Mulchen befahren und mit dieser Maßnahme gepflegt. Eine Beweidung durch Pferde geschieht meistens auf kleinen Weideflächen in Dorfnähe.

Ungedüngte Mähweiden (Rinder- oder Pferdebeweidung):
Ungedüngte Mähweiden werden in Abhängigkeit der Wetter- und Klimabedingungen und auch je nach bestehendem Agrar-Förderprogramm (z.B. KULAP) mindestens ein- bis zweimal im Jahr gemäht. Die Förderprogramme können den Mähzeitpunkt bestimmen, und so z.B. erst einen Spätschnitt ab Anfang Juni zulassen. Ungedüngte Mähweiden werden häufig von ökologisch zertifizierten Betrieben bewirtschaftet.

Gedüngte Mähweiden (Rinder-, Schaf- oder Pferdebeweidung):
Gedüngte Mähweiden mit Rinderbeweidung sind die verbreiteste Bewirtschaftungsform im Hainich-Dün-Gebiet. Sie werden überwiegend von Mutterkühen und Kälbern, oder von Jungrindern beweidet. Diese Form der Bewirtschaftung wird auch durch das KULAP-Programm gefördert, wenn eine beschränkte Anzahl an Beweidungstieren und Düngungsmengen eingehalten wird.

Ungedüngte Wiesen:
Ungedüngte Wiesen werden hauptsächlich von privaten Landeigentümern oder –nutzern auf kleinen Flächen (<1ha) in der Dorfumgebung bewirtschaftet. Größere Bewirtschaftungseinheiten dieser Nutzungsform findet man in Schutzgebieten, so z.B. im baneologischen Schutzgebiet der Stadt Bad Langensalza, wo eine Düngung der Flächen untersagt ist.

Gedüngte Wiesen:
Sehr intensiv bewirtschaftete Wiesen, welche häufig gemäht und stark gedüngt (Gülle) werden, kommen selten in der Hainich-Dün Region vor. Nur zwei Betriebe im Süden des Gebietes betreiben intensive Wiesenwirtschaft, diese Betriebe haben Milchviehhaltung. Die meisten Betriebe bewirtschaften ihre Wiesen sehr extensiv mit maximal ein bis zwei Schnittzeitpunkten und geringer bis gar keiner Düngerzugabe.

Streuobstwiesen:
Streuobstweisen stehen häufig im Eigentum von Gemeinden und werden zur Bewirtschaftung an Privatpersonen zur Heunutzung oder Schafbeweidung verpachtet.

Feuchtgrünland:
Bewirtschaftetes Grünland in Feuchtgebieten ist selten. Der Wirtschafter kann zur Bewirtschaftung dieser Flächen Unterstützung durch Förderprogramme erlangen, welches den höheren Aufwand der Bewirtschaftung solcher Flächen kompensiert.

Wacholderheiden:
Eine relative großflächig ausgebildete Wacholderheide existiert in der Nähe des Ortes Craula (Craulaer Wacholder-Hög) im Südosten des Hainich-Dün Gebietes. Wacholderheiden gelten per Naturschutzrecht als streng geschützte Biotope (§18 Thüringer Naturschutzgesetz).

Brachen:
Brachland ist überwiegend im Offenland des Nationalparkgebietes Hainich zu finden. Diese Flächen wurden in der Vergangenheit als militärische Übungsplätze genutzt. Für diese Flächen ist keine weitere Bewirtschaftung geplant, sie befinden sich zum größten Teil in verschiedenen Sukzessionsstadien, charakterisiert durch das Vorkommen von typischen Strauch- und Pionierbaumarten.

Folgender Landnutzungsgradient wurde zur Experimentierplot-Auswahl im Grünland ausgewiesen:
•    Ungedüngte Schafweiden
•    Ungedüngte Mähweiden mit Rinderbeweidung (1-2 schürig)
•    Gedüngte Mähweiden mit Schafbeweidung (1-2 schürig)
•    Gedüngte Mähweiden mit Rinderbeweidung (2-3 schürig)
•    Ungedüngte Wiesen (1-2 schürig)
•    Gedüngte Wiesen (1-2 schürig)
•    Gedüngte Wiesen (2-3 schürig)

Schafkoppel bei Kellmerode (Quelle: Sonja Gockel)
Grünland bei Flarchheim (Quelle: Sonja Gockel)
Grünland bei Flarchheim (Quelle: Sonja Gockel)
Streuobstwiese Weberstedt (Quelle: Sonja Gockel)