Von grundlegender Biodiversitätsforschung zu praktischen Empfehlungen für eine biodiversitätsorientierte Waldbewirtschaftung

-Ein Wissenstransferprojekt-

 

Forschungspartner:

Prof. Dr. Christian Ammer

Dr. Steffi Heinrichs

Dr. Martina Mund

(Uni Göttingen)

 

Anwendungspartner:

Jan Engel (Landeskompetenzzentrum Forst, Eberswalde)

Dirk Fritzlar (Staatliches Forstamt (FoA) Hainich-Werratal)

Manfred Großmann (Nationalpark Hainich)

Matthias Kiess (Kreisforstamt Reutlingen)

Elger Kohlstedt (FoA Leinefelde)

Achim Otto (FoA Heiligenstadt)

Ingolf Profft (Forstliches Forschungs- und Kompetenzzentrum Gotha)

Jörg Willner (Forst und Landschaftspflege, Stadt Mühlhausen)

Motivation

Wälder stellen eine Vielzahl ökosystemarer Güter und Dienstleistungen (kurz: Ökosystemleistungen) zum Wohle der Menschen zur Verfügung, und es ist zu erwarten, dass die Bewirtschaftung von Wäldern eine Veränderung der Biodiversität und damit auch der Ökosystemleistungen bewirkt. Die Auswirkungen großflächiger, im Kahlschlagbetrieb bewirtschafteter Forstplantagen auf die Biodiversität sind hinlänglich bekannt. Die Auswirkungen extensiverer Bewirtschaftungsverfahren und der Mischung verschiedener Verfahren auf Landschaftsebene hingegen sind bislang kaum untersucht worden. In der forstlichen Praxis scheint es zudem eher Konflikte als Synergien zwischen Biodiversitätsschutz und einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung zugunsten der gesamten Bandbreite von Ökosystemleistungen des Waldes zu geben.

Seit Einrichtung der DFG-Biodiversitäts-Exploratorien (BE) wurden zahlreiche Datensätze und Erkenntnisse zum Einfluss der Waldbewirtschaftung auf die Biodiversität und der Biodiversität auf die Ökosystemfunktionen und -leistungen von Wäldern gewonnen. Somit bieten die BE ein großes Potential zum Wissenstransfer von der Biodiversitätsforschung hin zur forstlichen und naturschutzfachlichen Praxis, und umgekehrt. Die dringliche Nachfrage regionaler Akteure, die Ergebnisse der BE für ihre alltägliche und praktische Arbeit verfügbar zu machen, unterstreicht die Bedeutung eines solchen Transfers. Bislang gibt es jedoch noch Hemmnisse, die einer direkten Anwendung des Wissens aus den BE im Wege stehen. Die vermutlich wichtigsten Hemmnisse sind: (1) die bisherigen Ergebnisse der BE sind häufig auf Plotebene und einzelne Artengruppen beschränkt, und (2) die Vielfalt und zahlreichen Filter realer Waldlandschaften und realer Forstwirtschaft ebenso wie die große Bandbreite von Ökosystemleistungen, die der Forstsektor sicherstellen soll, werden bislang zu wenig berücksichtigt.

 

Ziele

Die wichtigsten Ziele des Projektes sind:

  • Überführung der Ergebnisse der BE auf Skalen, die für die forstliche Praxis und den Naturschutz relevant sind
  • Entwicklung und Transfer praxisnaher Bewirtschaftungsoptionen, die eine Optimierung von Ökosystemleistungen und Biodiversitätsschutz in realen Waldlandschaften erlauben

 

Arbeitspakete

  1. Evaluierung der Ergebnisse der BE und anderer Projekte der Biodiversitätsforschung und Übertragung der Ergebnisse auf Skalen, die für die Bewirtschaftung von Relevanz sind
  2. Analyse und Bewertung des bisherigen Wissenstransfers von den BE in die forstliche und naturschutzfachliche Praxis, und vice versa
  3. Identifikation von Forschungslücken und neuen, praxis-orientierten Fragen für die Biodiversitätsforschung
  4. Entwicklung und Transfer praxisnaher Bewirtschaftungsoptionen zum Schutz und zur Förderung der Biodiversität unter den Bedingungen realer Waldlandschaften und unter Berücksichtigung der gesamten Bandbreite von Ökosystemleistungen, die von den Waldbesitzern und der Gesellschaft eingefordert werden

 

Methoden

  • Datenquellen: BE-Datenbank BEXIS, forstliche Datenbanken der Anwendungspartner, Literaturdatenbanken
  • Räumliche Analysen: (i) Virtuelle Mischung von Bewirtschaftungsverfahren und Waldtypen auf Landschaftsebene (“virtual landscapes”). (ii) Analyse der Einflüsse von Nachbarschaftskomposition und -konfiguration auf die organismische (=Artenreichtum) und funktionale Diversität der Einzelplots unter Verwendung von großräumigen Forstdaten. Hierbei werden die für den Naturschutz vorrangigen Arten oder Taxa (z.B. Rote-Liste-Arten) besondere Beachtung finden. (iii) Vergleich von optimierten und real existierenden Waldlandschaften zur Identifizierung möglicher Wege für zukünftige Bewirtschaftungsstrategien
  • Entwicklung eines Fragebogens und Durchführung einer Umfrage unter allen Waldbesitzern, allen Betriebs- und Verwaltungsebenen von Forstwirtschaft und Naturschutz und allen WissenschaftlernInnen, die in die BE involviert und von ihnen betroffen sind

 

Weitere Projektbeteiligung von Prof. Dr. Christian Ammer: Forest structures
Vergangene Projektbeteiligung von Prof. Dr. Christian Ammer: Neighbor, SHAPE

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