Effekte von Landschaftskontext und Landnutzungsintensität auf Biodiversität und multitrophische Interaktionen zwischen Pflanzen, Bestäubern, Herbivoren und ihren natürlichen Feinden


Wissenschaftliche Bearbeitung durch:

Prof. Dr. Ingolf Steffan-Dewenter 

(Universität Würzburg)

Dr. Catrin Westphal

Prof. Dr. Teja Tscharntke

Dr. Christoph Scherber

(Universität Göttingen)

Einführung

Der Teilprojektname InsectScale beinhaltet die Untersuchung der Auswirkungen von Landschaftsstruktur und lokaler Habitatqualität auf stängelnistende Bienen und Wespen und ihre Gegenspieler. Bislang ist weitgehend unbekannt, wie sich die Landnutzungsintensität und lokale Bewirtschaftung auf die trophischen Interaktionen zwischen Organismen auswirkt. Dies soll mit dem Modellsystem der stängelnistenden Bienen und Wespen und ihren Gegenspielern, die mit Nisthilfen erfasst werden, untersucht werden. Aus den Daten können wichtige Erkenntnisse zum Einfluss der Landschaftskomplexität auf Ökosystemfunktionen, wie Bestäubung oder Schädlingsbekämpfung gewonnen werden.

 

Hypothesen

1. Artenvielfalt wird nicht nur durch lokale Habitatqualität sondern auch durch die Landschaftszusammensetzung beeinflusst.

2. Arten agieren auf bestimmten räumlichen Skalen, die mit ihren spezifischen Eigenschaften (z.B. Körpergröße und tropische Ebene) und ihren biotischen Interaktionen zusammenhängen.

3. Die Komplementarität von Arten trägt zum Erhalt von Ökosystemfunktionen bei, die wiederum durch nicht zufällige Verluste von Arten eingeschränkt werden können.


Methoden

Im April 2009 sind auf 20 Grünlandplots in Hainich-Dün jeweils vier Pfähle mit je zwei Nisthilfen aufgestellt worden. Außerdem sind auf 10 Waldplots 8 Nisthilfen im Kronendach befestigt worden. Die Nisthilfen werden Ende September/Anfang Oktober wieder abgebaut. Die stängelnistenden Bienen und Wespen werden nach einer Diapause zum Schlupf gebracht, genadelt und bestimmt. Zudem werden die Nahrungsvorräte in den Brutkammern bestimmt und Nahrungsnetze erstellt.
In den Exploratorien Hainich-Dün und Schwäbische Alb wird außerdem auf 8 bis 10 Flächen im Grünland Osmia bicornis (Rote Mauerbiene) zum Schlupf gebracht, um Pollensammelzeiten, Nistaktivität und individuelle Fitness der Tiere vor Ort an aufgestellten Nisthilfen zu beobachten. Dazu wurden 4 bis 5 Flächen in unmittelbarer Nähe eines blühenden Rapsfeldes gewählt und 4 bis 5 Kontrollflächen ohne eine solche Massentracht. Ziel ist es, den Einfluss dieser zeitlich begrenzten Massenfutterquelle sowie den Einfluss der Landschaftsstruktur auf Bruterfolg (Anzahl Zellen, Gewicht der Kokons) und individuelle Fitness zu untersuchen.