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Grünland.Wissen
Kurzgefasst

Wie Weltanschauungen und die Priorisierungen von Ökosystemleistungen zusammenhängen

#Ökosystemleistungen  #Gesellschaft  

Ökosysteme unterscheiden sich in ihrer Fähigkeit, verschiedene Nutzen für Menschen bereitzustellen, die als Ökosystemleistungen beschrieben werden können (z.B. die Produktion von Nahrungsmitteln, aber auch ihr Beitrag zur regionalen Identität). Gleichzeitig unterscheiden sich Menschen darin, welche Leistungen sie priorisieren. Dadurch, dass verschiedene Interessengruppen Ökosysteme so bewirtschaften, dass sie die von ihnen priorisierten Leistungen erhalten, können soziale Konflikte entstehen. Zum Beispiel möchten Förster möglicherweise Bäume pflanzen, während Landwirte dieselbe Fläche für den Anbau von Nutzpflanzen nutzen möchten.

Während der Fokus der bisherigen Forschung eher auf den biologischen und physischen Ursachen dieser Interessenskonflikte und deren Bewältigung lag, sind die sozio-kulturell verankerten Gründe für die Unterschiede in den Priorisierungen der Menschen weit weniger verstanden. In der Studie haben wir die Idee getestet, dass diese Unterschiede im Hinblick auf kulturelle Weltanschauungen verstanden werden können, indem wir uns auf eine soziologische Theorie stützen, die Menschen anhand ihrer Ansichten über Gesellschaft und Natur klassifiziert.


Um ein detailliertes Bild über die Zusammenhänge von kulturellen und politischen Weltanschauungen und der Nutzung von natürlichen Ressourcen zu erhalten, haben wir eine Umfrage mit 321 Teilnehmer*innen aus den drei Regionen durchgeführt. Zudem wurden die Befragten aus verschiedenen Interessengruppen (z. B. Landwirte, Förster, Anwohner, Tourismusbetreiber) gebeten, verschiedene Ökosystemleistungen zu priorisieren.


Ein erstes Ergebnis ist, dass sich die Menschen eine Vielfalt an Ökosystemleistungen wünschen, jedoch bestimmte Interessengruppen bestimmte Leistungen eher priorisieren. Zudem konnten wir herausarbeiten, dass die von den Menschen bevorzugten Leistungen eng mit ihren Weltanschauungen über Gesellschaft und Natur verknüpft sind. Bei Landwirten war die Priorisierung von Ackerbau und Viehzucht hoch und wurde mit einer individualistischen Weltanschauung, der Wahrnehmung der Natur als robust, aber unberechenbar, sowie der Unterstützung von wirtschaftsliberalen und konservativen politischen Parteien in Verbindung gebracht. Im Gegensatz dazu hatten diejenigen, die Umweltschutz priorisierten, häufig egalitäre Weltanschauungen und betrachteten die Natur als tolerant und sensibel. Diese Menschen arbeiteten oft in wissenschaftlicher Forschung und Naturschutz und hatten meist politische Präferenzen im linken Spektrum.

Relative Priorität der kulturellen, versorgenden und regulierenden Ökosystemleistungen für jede Interessensgruppe.
Relative Priorität der kulturellen, versorgenden und regulierenden Ökosystemleistungen für jede Region.

Da diese Zusammenhänge in allen Regionen konsistent waren, legen die Ergebnisse nahe, dass bestimmte allgemeine Typen von Nutzern von Ökosystemleistungen identifiziert werden können. Dies ist ein nützliches Wissen für zukünftige Forschung, könnte aber auch in der Kommunikation von Empfehlungen im Zusammenhang mit Landnutzung und Nachhaltigkeit wichtig sein, da die Botschaften entsprechend der Weltanschauung der Empfängergruppe angepasst werden können.


Bei der Interpretation der Ergebnisse sollte immer beachtet werden, dass aktuelle Ereignisse, beispielsweise ökonomische Entwicklungen wie die Inflationslage, Einfluss auf die Priorisierung haben können.

Weitere Informationen und Ergebnisse der Dissertation, in deren Rahmen diese Studie stattfand, finden Sie auf dem ISOE Blog.


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