Waldlücken und Habitat-Spezialisten
Eine zunehmende Baumsterblichkeit und forstwirtschaftliche Maßnahmen verringern die Kronendichte der Wälder in ganz Europa, was möglicherweise zu einem Rückgang von Waldspezialisten und einem Verlust an Ökosystemstabilität führt. Insekten sind eine ideale Untersuchungsgruppe, um die Auswirkungen von Waldsterben sowie der Anreicherung oder Entfernung von Totholz zu bewerten, da sie sowohl auf Licht als auch auf die Verfügbarkeit von Totholz sehr sensibel reagieren. Allerdings ergeben sich zwei zentrale Herausforderungen: Erstens ist es schwierig, die Effekte von Kronenöffnungen und Totholzanreicherung zu trennen, da diese bei Störungsereignissen natürlicherweise gemeinsam auftreten, jedoch durch forstliche Eingriffe, bei denen Totholz entfernt wird, meist getrennt werden. Zweitens wird in den meisten Studien nur ein Bruchteil der Insektentaxa untersucht, da für die Mehrheit der Insektenarten Habitatpräferenzen unbekannt sind.
Ziel dieser Studie ist es, einen umfassenden Katalog von Waldaffinitäten für Insekten-Metabarcoding-Daten zu entwickeln, der ein breites Spektrum an Taxa abdeckt. Durch die Klassifizierung von Habitatpräferenzen unabhängig vom Versuchsdesign der Biodiversitäts Exploratorien wird eine robustere Bewertung ermöglicht und gleichzeitig standortspezifische Verzerrungen minimiert. Über die Klassifizierung der Waldaffinität hinaus werden wir die phylogenetische Diversität und die Beta-Diversität von Insektengemeinschaften untersuchen, um tiefere Einblicke in die Stabilität von Ökosystemen zu gewinnen.
Insektengemeinschaften in Waldökosystemen werden sich nach der Entstehung von Kronenlücken hin zu stärker lücken- und randbezogenen Artengemeinschaften verschieben. Diese Veränderungen werden durch die Entfernung von Totholz verstärkt. Insektengemeinschaften in Waldlücken mit Totholzentfernung werden eine verringerte phylogenetische Diversität aufweisen, und diese Veränderungen werden stärker durch Umweltfilterung als durch erhöhte Konkurrenz verursacht sein.
Zur Erfassung von Veränderungen in Insektengemeinschaften werden wir im Jahr 2026 Feldarbeiten an 17 FOX-Standorten im Hainich und auf der Schwäbischen Alb durchführen und dabei Malaise-Fallen sowie DNA-Metabarcoding zur Artbestimmung einsetzen. Dies ermöglicht die Identifizierung von Insekten aus allen Ordnungen, einschließlich wenig untersuchter Taxa wie den Zweiflüglern (Diptera).