Informationen zum Gebiet

Das Biosphärengebiet “Schwäbische Alb” bedeckt mehr als 85.000 ha im Südwesten Deutschlands. Das anstehende Grundgestein besteht aus tertiärem Kalkgestein (Sedimente des Jurameeres, welche durch tektonische Bewegungen im oberen Rheintal angehoben wurden). Die Böden sind größtenteils flachgründig. Die Landschaft zeigt sich in einer Reihe von ähnlichen kalkreichen Gebirgszügen, die von der Fränkischen Alb im Nordosten bis zum Französischen und der Schweizer Jura  reichen. Charakteristisch ist das Mosaik aus Wäldern und Grasländern, wobei letztere einen relativ hohen Anteil aufgrund der jahrhundertelangen Tradition der Schafbeweidung besitzen. Die Wälder der Landschaft befinden sich hauptsächlich an den Steilhängen und in den Kuppenlagen. Die Landschaft ist besonders durch den kleinräumigen Wechsel von Waldflächen und von mit Gehölzen durchsetzten Offenlandflächen geprägt. Die Waldtypen reichen von natürlichen alten Buchenwäldern, über gemischte bis hin zu intensiv bewirtschafteten Buchen- bzw. Fichten-Monokulturen. All diese Waldtypen zeigen ein Alterspektrum von jungen Aufforstungen bis zu > 100 Jahre alten Bäumen. Eine Besonderheit sind neben Resten von parkähnlichen Wälder mit vielen einzelstehenden Bäumen entstanden durch jahrhundertelange Beweidung auch die die artenreichen Schlucht- und Hangmischwälder. Grünländer variieren von extensiv genutzten Schafweiden und Halbtrockenrasen über ungedüngte oder wenig behandelte Wiesen bis hin zu Intensivgrünland sowie Streuobstwiesen und Wiesen mit Feldgehölzen.

 

Quelle: Ralf Lauterbach

Der Kern des designierten Biosphärengebiets ist der frühere Truppenübungsplatz Münsingen, welcher 6.700 ha Landfläche einnimmt. Es wurde seit 1895 als Übungsplatz genutzt und blieb daher von Intensivierung der Landwirtschaft nahezu unberührt. Das Exploratorium erstreckt sich über dieses Mosaik aus Wald und Grünland hinaus in die umliegenden ländlichen Regionen, die ähnliche aber intensiver bewirtschaftete Grünländer enthalten. Das Exploratorium befindet sich im Gebiet um Münsingen, Bad Urach und Gomadingen (Landkreis Reutlingen).

Untersuchungsgebiet in der Schwäbischen Alb
Quelle: Grundlage ALK, TK25 © Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung Baden-Württemberg
(www.lgl-bw.de) Az.: 2851.9-1/19

 

Informationen zu Arten

Baumartenverteilung im Gebiet

Die Schwäbische Alb mit ihren Kuppen, Schluchten und den charakteristischen Steilhängen hat als bodenbildendes Substrat Kalkverwitterungsgesteine. Es finden sich der Waldmeister- und der Orchideen-Buchenwald, so wie die edellaubholzreichen Schlucht- und Hangmischwälder. Zahlreiche Buchenwälder zeigen einen hohen Mischungsanteil mit der Fichte, oder die Fichte stockt im gleichaltrigen Reinbestand. Die Trophie der Standorte ist hoch, limitierender Faktor für das Baumwachstum ist die Wasserversorgung. Dies zeigt sich in den typischen Buchentrockenwäldern in Kuppenlage.

 

Informationen zum Boden

 Im Exploratorium Schwäbische Alb liegt eine starke Beeinflussung der Bodenentwicklung durch das Relief vor. In der Regel ist die Solummächtigkeit deutlich geringer als an den beiden anderen Exploratorien. Häufige Bodenarten sind lehmige und schluffige Tone. Charakteristisch für die Böden der Schwäbischen Alb ist ihr hoher Skelettgehalt. Während im Kuppenbereich oft Rendzinen oder Braunerde-Rendzinen anzutreffen sind, die im Sommer durch eine starke Austrocknung gekennzeichnet sind, steigt die Entwicklungstiefe der Böden in Richtung der Tiefenbereiche an. Allgemein ist von einem hohen pH-Wert, einer hohen Basensättigung der Böden auszugehen. Aufgrund der hohen Hangneigung kommt es in Perioden mit geringer Vegetationsdecke zu Verlagerung von Bodenmaterial, so dass an einigen Standorten Kolluvisole anzutreffen sind.

 

Typische Böden  (Quelle: lokales Bodenteam):

 

Aufarbeitung der Geschichte der Landnutzung

Die Schwäbische Alb ist weitestgehend geprägt durch eine relativ kleinräumige Landschaftsnutzung, die sich auch kulturhistorisch aus der Landschaftsteilung und Erbfolge ergibt. Diese Kleinräumigkeit lässt sich sowohl aus historischen als auch rezenten Landschaftsdaten ersehen.

Für die Gebietskulisse des Exploratoriums "Schwäbische Alb" liegen umfangreiche Dokumentationen vor, die es erlauben, die rezente Landschaftsnutzung und -ausprägung auch im kulturhistorischen Kontext zu analysieren.

Detaillierte Aufzeichnungen liegen z.B. mit dem Primärkataster aus dem Jahre 1815-1840 vor. Mit modernen Georeferenzierungsmethoden lassen sich diese alten Karten digitalisieren und zum Vergleich für die fortlaufende Landschaftsveränderung heranziehen. Umfangreiche und flächenbezogene Notizen über die historische Bewirtschaftung und Erträge werden in die Landschaftsevaluierung für die Exploratorien mit einbezogen.

 

Flurkarte von 1825
Quelle: Universitätsbibliothek Tübingen (Scan vom Microfilm), Kartenblätter als Original im Stadtarchiv Münsingen

 

 

Dreidimensionale Darstellung
Quelle: Universitätsbibliothek Tübingen (Scan vom Microfilm), Kartenblätter als Original im Stadtarchiv Münsingen (obere Ebene), Orthophoto durch eigene Erhebung aus der Befliegung 2009 (untere Ebene) sowie DGM25 © Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung Baden-Württemberg (www.lgl-bw.de)