Entschlüsselung der Beziehung zwischen Naturwerten und Telekopplung
Um eine nachhaltige Landnutzung zu fördern, bedarf es einem Verständnis der gesellschaftlichen Triebkräfte hinter den Entscheidungen von Landbesitzer:Innen und Landbewirtschafter:Innen, welche die Bereitstellung von Beiträgen der Natur für den Menschen (Nature’s contributions to people, NCP) beeinflussen. Auf der Grundlage und in Erweiterung des konzeptionellen Rahmens der Ökosystemleistungen erkennt der NCP-Bezugsrahmen ausdrücklich an, dass diese Beiträge nicht nur aus der Natur stammen, sondern auch Beiträge des Menschen erfordern, ein Prozess, der als “Koproduktion” bekannt ist.
In der vorangegangenen Phase der Biodiversitäts-Exploratorien hat das Forschungsprojekt mit dem Titel “Auswirkungen des Landmanagements auf die Bereitstellung und Verteilung von Ökosystemleistungen – EsuDis” das Konzept der NCP-Koproduktion in den drei Untersuchungsgebieten der Biodiversitäts-Exploratorien operationalisiert und die NCP-Koproduktion mit dem Grad der Landnutzungsintensität verknüpft.
In VaNaTe werden wir den Fokus von ESuDis erweitern, um ein besseres Verständnis der unbekannten Wechselwirkungen zwischen zwei der wichtigsten gesellschaftlichen Triebkräfte der Landbewirtschaftung zu generieren: die Werte von Landbesitzern und Managern in Bezug auf Natur und NCP sowie die Telekopplung der NCP-Koproduktion.
- Die Beziehung zwischen den Entscheidungen der Landeigentümer in Bezug auf die Landbewirtschaftung und ihren Wertesystemen in Bezug auf Natur und NCP zu verstehen;
- Die Archetypen der Telekopplung, die den Entscheidungen der Landeigentümer in Bezug auf die NCP-Koproduktion zugrunde liegen, zu identifizieren und zu charakterisieren;
- Tiefgreifende Kenntnisse über die Rückkopplungsschleifen zwischen Archetypen der Telekopplung, Wertesystemen, NCP-Koproduktion und Intensivierung der Landnutzung zu gewinnen.
VaNaTe ist in drei Arbeitspakete (WPs) gegliedert.
- WP1 zielt darauf ab, die individuellen Werte von Landbesitzer:innen und Nutzer:innen gegenüber der Natur festzuhalten und zu kartieren. Dies geschieht mittels Inhaltsanalyse, der Photo-Voice Methode, Umfragen mit einer psychometrischen Skala, sowie mittels multivariater Statistik und partizipativer GIS-Kartierung.
- WP2 zielt darauf ab, Archetypen der Telekopplung zu identifizieren und zu charakterisieren. Dies wird mittels Inhaltsanalyse, Umfragen, GIS-Kartierung, multivariater Regressionsanalyse, sowie hierarchischer Clusteranalyse durchgeführt.
- WP3 wird die Beziehungen zwischen Archetypen der Telekopplung, Werten, NCP-Koproduktion und Landnutzungsintensität mittels einer farbcodierten Kartendarstellung von Klassifizierungseinheiten analysieren.
Unter Nutzung des Rahmenkonzepts von IPBES (“Weltbiodiversitätsrat“), in dem beschrieben ist wie Menschen die Natur bewerten, konnten wir insgesamt feststellen, dass sogenannte relationelle (auf Beziehungen aufbauende) Werte häufiger genannt wurden als intrinsische und instrumentelle Naturwerte. Unter Förster:innen und Landwirt:innen stellten wir fest, dass sie, abhängig von der Intensität ihrer Landnutzung, häufiger relationelle Werte als instrumentelle oder intrinsische Werte äußerten. Jene Landnutzer:innen deren Wertesystem sich vor allem aus instrumentellen Werten speist, priorisierten kurzfristige Erträge materieller Güter, wie Futtermittel und Holz, in ihren Managemententscheidungen. Dies führte zu einer Intensivierung der Landnutzung durch eine verstärkte Nutzung von Düngemitteln, Pestiziden, und Maschinen. Im Unterschied dazu nutzten Landnutzer:innen, deren Wertesystem auf relationellen Werten basiert, vermehrt extensive oder ökologische Managementansätze. Zudem äußerten sie, dass ihre Hauptmotivationsfaktoren im Naturschutz, dem Habitatschutz und der Förderung der lokalen Klimaregulierung liegen.
Unter Anwendung des sogenannten Metacoupling Rahmenkonzepts konnten wir feststellen, dass Landnutzungsentscheidungen sich auf die Telekopplung anthropogener Kapitalien (d.h. den Bezug bestimmter Güter über weite Strecken) auswirken. So konnten wir beispielsweise feststellen, dass die Holzproduktion in den Untersuchungsgebieten der Biodiversitätsexploratorien vor allem auf den Einsatz von teilweise schweren Maschinen zur Holzernte, wie Harvestern, Forwardern, und Kettensägen, zurückzuführen ist, die vor allem aus anderen europäischen Ländern oder weiter entfernten Erdteilen importiert werden. Insgesamt konnten wir feststellen, dass die Telekopplung von Beiträgen der Natur für den Menschen (NCP) Bemühungen für eine nachhaltige Landnutzung unterminieren können.